Zurück von meinem Besuch in Stockholm, wo ich mich vor allem im Nationalarchiv und der Nationalbibliothek aufgehalten habe.

Vor meinem ersten Archivbesuch war dabei eine Menge zu tun, da Archive sich nicht so leicht erschließen lassen wie z.B. Bibliotheken.
Archive sammeln und bewahren ihre Dokumente üblicherweise nicht nach inhaltlichen Aspekten, sondern entsprechend der Provenienz, d.h. der Herkunft eines Schriftstückes. Ich musste mir vorher als genau überlegen, welche Quellen ich mir in dem Archiv erhoffe, wer diese verfasst hat (in meinen Fall z.B. der Riksdag und die königliche Kanzlei) und mit Hilfe der online zur Verfügung gestellten Informationen versuchen, diese in dem Archiv zu lokalisieren.
Zum Glück gab es nicht nur von Kollegen, sondern auch im Internet zahlreiche gute Hilfen für die Vorbereitung und Durchführung des Archivbesuchs. Empfehlen kann ich vor allem Adfontes, Einführung und umfassendes Training rund um die Archivarbeit. Erfahrungsberichte zu Archiven weltweit kann man auf Archives made easy finden, leider war Stockholm noch nicht dabei. Eine Übersicht, welche Archive es weltweit gibt, bietet die UNESCO hier.

Trotz aller Vorbereitungen war die Beratung vor Ort unumgänglich. Am besten, man kündigt sich schon einige Wochen vorher in dem Archiv mit dem Thema der Arbeit und dem Erkenntnisinteresse an den Quellen des Archivs, an.
Ebenfalls sehr wichtig ist, die Quellen möglichst genau einzugrenzen und genau zu wissen, was man sucht.
Von der jeweiligen Forschungssituation hängt auch ab, inwieweit andere Hilfsmittel zu Rate gezogen werden können. In meinem Fall hatte ich zwar Archivverzeichnisse (Findbücher) in Deutschland verfügbar, aber erst in Marburg in der Archivschule. Da war es für mich effektiver, diese Bücher erst im Archiv selbst zu nutzen. Ebenso war es für mich besonders produktiv, dass ein Archiv üblicherweise auch zahlreiche Forschungsliteratur zu den Beständen und Quelleneditionen im Lesesaal stehen hat.  Es gibt zwar Editionen schwedischer Quellen in Deutschland, jedoch sehr zerstreut und oft nur schwer über Fernleihe zu bekommen.
Bei dem ersten Archivbesuch ist es ratsam, sich zunächst eine Übersicht über die Bestände zu verschaffen, zu schauen, was und wie man reproduzieren kann und sich einige, kurze Notizen zu den Beständen zu machen (z.B. über Zustand, Lesbarkeit oder Umfang).  Zur eigentlichen Arbeit an den Quellen fehlt dann doch meistens die Zeit. Dies kann man dann ja auch mit eventuell digitalisierten Quellen zu Hause.

Zurück am heimischen Schreibtisch (bzw. am Uni-Schreibtisch), geht es dann an eine sorgfältige Nachbereitung des Archivs. Notizen abtippen, Quellen bearbeiten und abschätzen, ob und wie lange ein zweiter Aufenthalt nötig sein wird.