Bei den Vorüberlegungen zu meinem Thema „Herrschaftsenden in der Frühen Neuzeit“ bin ich sehr schnell über den Begriff – besser das Problem – der legitimen Herrschaft gestolpert.
So wird davon gesprochen, dass die Legitimität eines Herrschers in Frage gestellt wurde oder das er Legitimität hatte – doch was heißt das eigentlich? Bei genauerem Nachschauen, wurde ziemlich schnell deutlich, daß der Begriff „Legitimität“ erstmal gar nichts aussagt. Ob ein Herrscher legitim war oder nicht, hängt eben immer davon ab, was in seiner Zeit dafür gehalten wurde.

Als mögliche Kriterien für Legitimität galten unter anderem Gottesgnadentum (Mittelalter bis mindestens ins 18. Jahrhundert), ethisches Verhalten (Antike bis eigentlich heute, wobei darunter auch immer etwas anderes verstanden wird), die richtige Konfession (seit dem 16. Jahrhundert bis zu den heutigen Königsfamilien), rationale Begründung (seit dem 18. Jahrhundert; welche Begründung das sein mag, bleibt offen) und die Bindung der staatlichen Macht an parlamentarische  Gesetzgebung (im sogenannten Rechtsstaat). Üblicherweise sind auch immer mehrere Aspekte relevant.
Also, alles gar nicht so einfach mit der legitimen Herrschaft, wie der Begriff vermuten lässt.
Weiter hilft auch nicht, daß Legitimität „Sittlichkeit“ bedeutet – ein ebenso unscharfer und zeitlich bedingter Begriff.

Die Betrachtung der Begriffsgeschichte von Legitimität brachte mich nun schließlich dazu, das Herrschaftsende als ein Aufeinanderprallen von praktisch ausgeübter Herrschaft und dem Legitimitätsverständnis der Untertanen zu verstehen und so hoffentlich Prozessen näherzukommen, wie Herrschaft ausgehandelt wurde und welche Vorstellungen die Untertanen (damit meine ich üblicherweise den kleinen Anteil, der sich an der Debatte um Herrschaft beteiligen konnte) hatten.

Zu denken gab mir die Beschäftigung mit dem Begriff jedoch noch in ganz anderer Hinsicht: Wie oft werden wohl Wörter gebraucht, die scheinbar klar und eindeutig sind, aber bei näherem Hinsehen eigentlich nichts aussagen bzw. für wechselnde Inhalte je nach zeitlichem und/ oder kulturellem Kontext stehen?