Nachdem ich schon einige Male über globalgeschichtliche Themen oder Bücher berichtet habe, für den interessierten Leser auch ein paar Erläuterungen, was dieser Begriff in der derzeitigen Geschichtswissenschaft eigentlich bedeutet.

Der Begriff „Globalgeschichte“ wird nahezu inflationär gebraucht und schließt damit an die Diskussion um Globalisierung (oder neu: Glokalisierung, d.h. Wechselwirkungen von globalen und lokalen Gegebenheiten) an.

In der Globalgeschichte ist der Gegenwartsbezug deutlich daran zu sehen, daß sie in erster Linie nach wirtschaftlichen Zusammenhängen fragt, in zweiter Linie auch nach dem Austausch von Informationen.
Doch was genau ist nun Globalgeschichte und worin unterscheidet sie sich von den andern, in der Überschrift genannten Begriffen?

Vorweg: es gibt keine klare Unterscheidung dieser Begriffe und sie werden, je nach Autor, unterschiedlich gebraucht.  Üblicherweise verstehen Historiker unter Globalgeschichte die Erforschung eines Gegenstands (z.B. des Sklavenhandels oder der Entwicklung des Papiers) unter Berücksichtigung aller globalen Zusammenhänge. Diese Art der Geschichtsschreibung geht also vom Gegenstand aus und schaut nach den Zusammenhängen und der Netzwerkbildung.
Weltgeschichte betrachtet die (meist politische) Geschichte der ganzen Welt in einem bestimmten Zeitraum. Oswald Spenglers „Der Untergang des Abendlandes“ (1918, 1922) und Toynbees „A Study of History“ (1934-61) betrachteten sogar die Weltgeschichte seit den ersten Hochkulturen.
Die Universalgeschichte sucht zum einen nach Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte (d.h. Spenglers Werk fällt auch unter diesen Begriff) und zum anderen betrachtet sie Geschichte aus verschiedenen Perspektiven, d.h. politisch, kulturell, ökonomisch, rechtlich, religiös etc. einen Gegenstand (besonders ausgeprägt ist dies mMn in der Buchgeschichte, die sowohl die politischen, die kulturellen, die religiösen (Buchdruck und Reformation), die technischen und künstlerischen und die ökonomischen Aspekte des Buches betrachtet).

Wenn bereits die Begriffe nicht eindeutig besetzt sind, damit verbunden sind auch sehr unterschiedliche Konzeptionen von Globalgeschichte, was verbindet dann diese Forschungsrichtung?
Ein gemeinsames Anliegen von Globalhistorikern und Weltgeschichtlern ist die Überwindung der nationalstaatlichen Perspektive, des Eurozentrismus und der Konzentration auf einen Zugriff auf die Vergangenheit.
Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der ansprechenden Darstellungsform vieler globalgeschichtlicher Werke.
Da die Autoren große Linien aufzeigen wollen und Wert stärker auf die Synthese gelegt wird, bietet sich für solche Bücher ein Erzählstil an. Statt der Analyse von Details stehen Fragen nach der übergreifenden Bedeutung, großen Entwicklungen und Wechselwirkungen im globalen Ausmaß.

Globalgeschichte also als eine Betrachtung der Vergangenheit unter einem weiten Blickwinkel, unter Einbezug weltweiter Zusammenhänge und losgelöst von staatlichen Grenzen. Weltgeschichte untersucht, auf einen Zeitraum begrenzt und oft in vergleichender Art und Weise, Entwicklungen in der ganzen Welt und bezieht sie aufeinander; während die Universalgeschichte einen Gegenstand aus allen denkbaren Sichtweisen heraus betrachtet, nicht unbedingt aber eine globale Sichtweise haben muss (je nach Gegenstand).
Wie das genau in der Praxis aussehen kann, folgt im nächsten Teil.