Wie der aufmerksame Leser weiß, beschäftige ich mich – neben der Kulturgeschichte – immer wieder gern mit Globalgeschichte bzw. globalgeschichtlichen Ansätzen. Und erneut muss ich ein Buch mit einem solchen Ansatz, welches sogar noch mehr einen weltgeschichtlicher Ansatz hat, empfehlen. Diesmal ein etwas älterer Band von dem Althistoriker Alexander Demandt „Sternstunden der Geschichte“ von 2000.
In 13 „Sternstunden“ führt er den Leser durch die Weltgeschichte: von Alexanders Rückkehr nach Babylon 323 v.Chr. über die Geburt Jesu, die Kaiserkrönung Karls Weihnachten 800, die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten 1776, Gandhis Salzmarsch 1930 bis hin zum Mauerfall 1989. Ein unglaubliches Pensum, dessen weitaus größter Teil eben nicht in der Antike – dem Spezialgebiet Demandts – liegt. Ich halte es immer wieder für bewundernswert, auch außerhalb der Epoche, in der man spezialisiert ist, sich auszukennen und sogar darüber so gut und kenntnisreich zu schreiben, wie es Herr Demandt tut.

Wie leider bei vielen so umfassenden Werken, gibt es auch hier Detailfragen, die nicht vollends auf dem Stand der Forschung sind – ich kann das hier nur für die Kaiserkrönung Karls feststellen, eins meiner Prüfungsthemen. Von diesen  Punkten abgesehen, die der Qualität der Aussagen keinen Abbruch tun, bietet aber das Buch einen umfassenden, erkenntnisreichen Blick auf Höhepunkte der Geschichte und durch diese auch immer einen Blick auf die Zeiten der „Sternstunden“.  Der Leser wird mit der Beschreibung der Sternstunden nicht allein gelassen, sondern diese sind sowohl in einen historischen Kontext eingebettet: wie kam es dazu? wer waren die Beteiligten? was folgte unmittelbar? als auch in einen Bedeutungskontext: Welche Langzeitwirkung hatte diese Sternstunde? Was kann sie uns noch heute sagen?

Insgesamt ein Buch,  welches ich mich viel Gewinn und Spaß gelesen habe und mich weiterhin in dem Glauben bestärkt, daß Geschichte sich eben nicht nur mit den Details beschäftigen sollte, sondern auch den Blick über Epochen und kurzfristige Folgen hinaus heben sollte.