Wiedereinmal bin ich über die Stelle in einer Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten gestolpert, die rät, das Kernproblem ausfindig zu machen und wie man den eigenen Lösungsweg am besten argumentativ vertritt. Auch wenn das manchmal auch in der Geschichtswissenschaft vorkommt, halte ich die meisten historischen Themen nicht für etwas, was heute Probleme aufwirft, die gelöst werden müssen. Vielleicht verstehe ich „Probleme“ und „lösen“ auch zu eng bezogen auf eine Handlungsmöglichkeit? Meist interessiert mich an vergangene Ereignissen einfach, wie es gewesen ist. Ganz naiv!

Ich bin mir durchaus bewusst, dass gegenwärtige Entwicklungen Einfluss auf die Sicht und das Interesse an Vergangenem haben – mein Interesse an den Gelehrten auf dem Wiener Kongress stammt auch aus einer aktuellen Diskussion um Wissenscommunities -, aber wirkliche Probleme stellt die Vergangenheit meist nicht. Diese Probleme können eventuell in der gegenwärtigen Bewertung von Geschichte verankert sein, zeigen damit aber eher gegenwärtige Probleme auf – mit denen sich eher Politologen oder Philosophen beschäftigen – als vergangene.

Ich bin mir noch nicht so sicher, wohin ich mit diesen unausgegorenen Gedanken will; fühle mich aber besser, mein Unbehagen mit der Aufforderung zum Problem lösen und für Lösungen argumentieren ausgedrückt zu haben.