Langsam sollte es nun losgehen mit der Magisterarbeit, die sich mit den Gelehrten auf den Wiener Kongress 1814/15 beschäftigen wird. Doch statt dazu etwas zu lesen, ist mir heute ein interessantes Buch über „Die Ursprünge der modernen Welt. Eine globale Weltgeschichte“ von R. Marks in die Hände gefallen, welches schrie „Lies mich!“

Zumindest die Einleitung habe ich jetzt hinter mir, und allein diese lohnt es sich, öfter zu lesen. Da werden einige interessante Fragen zum Thema Eurozentrismus und Geschichtsschreibung aufgeworfen, sowie Denkansätze gegeben, welche Probleme sich für einen europäischen Historiker ergeben können, wenn er den Eurozentrismus überwinden will: Wie kann er einen Blick auf das System von innerhalb des Systems werfen? Mit welcher Pille kommt er aus der Matrix heraus? (Nebenbei, jedes historische Buch, welches es nicht unter seiner Würde sieht, Popkulturreferenzen zu machen, hat bei mir schon einen Stein im Brett. Vor allem wenn sie so anschaulich sind wie die Referenz zu Matrix und der Truman-Show).

Die aufgeworfenen Fragen überzeugten mich, stellt sich nun die Frage, welche Antworten der Autor (Amerikaner) findet? So faszinierend ich globalgeschichtliche Ansätze finde, umso schwieriger stelle ich mir die Umsetzung vor. Besonders für einzelne Personen. Auf einem relativ oberflächlichen Niveau kann ich mir schon vorstellen, dass ein einzelner eine passable Globalgeschichte schreibt, doch was, wenn man wirklich tief geht und dann die Quellen- und besonders Sprachkenntnis braucht? Ähnliche Fragen kamen auch in einem von mir besuchten Seminar bei der Diskussion über Baylys „Birth of Modern World“ auf. Als einzige Lösung erschien da Teamarbeit in einem großen Projekt, was wiederum ganz eigene Probleme aufwirft.    Ich bin gespannt, was da in Zukunft noch kommen wird und ob Globalgeschichte auch ähnlich intensiv betrieben werden kann wie nationale oder regionale Geschichte. Oder kennt da jemand erfolgreiche Beispiele?