Lange überlegt, wie ich die Inhalte am besten ins Netz stelle und mich jetzt dafür entschieden, je einen eigenen Beitrag zu schreiben und größere Themen zusätzlich als pdf. hier zu hinterlegen. Nun also der erste Beitrag zur Buchgeschichte, das Buch in der Antike. Ich hoffe, ich kann das Interesse wecken und wenn Fehler sich eingeschlichen haben sollten: bitte melden!

Papyruszeit – Antike:

Material:

Tontafeln bei den Babyloniern und Assyrern -> übliches Format 3x5cm, ~je wichtiger – je größer, beide Seiten wurden beschrieben, bei entsprechender Breite auch die Seiten mit Keilschrift (Wiederentdeckung 1621 in Persepolis und Erschließung ab 1802 durch G.Fr. Grotefend) beschrieben

Palmblätter in Indien, die zu Büchern gebunden werden konnten

Bambusbretter in Ostasien vor Erfindung des Papiers im 2. Jh.

Leder im Orient und z.B. auch bis heute für die Thora

Papyrus:: Das Mark der Papyruspflanze wird in dünne Streifen geschnitten und kreuzweise übereinander gepresst, der Saft dient als Klebemittel; üblicherweise einseitig beschrieben (recto-Seite); als Schreibgerät diente zugeschnittene Binse und Rußtinte; nur aus Ägypten lieferbar -> verfällt in feuchten Klimaten

Pergament: erstes Aufkommen als der Ausfuhr von Papyrus durch Ptolemäus II. verboten wird (fürchtet Konkurrenz der Bibliothek aus Pergamon) => Pergamon entwickelt sich zum ersten Zentrum der Pergament-Herstellung (vgl. MA) ab 200 v.Chr.

Wachstafeln als günstiger Beschreibstoff für Schüler, Politiker und Autoren

Format:

zunächst Rollenform (bis zu 40 Meter); Papyrusrollen meist im Querformat beschrieben, Pergamentrollen im Hochformat und mit nur einer Kolumne (Spalte)

Schrift:

scriptio continua, d.h. ohne Abstände oder Satzzeichen

Runen: stammen nicht vom griechischen Alphabet (z.B. einzigartige Anordnung der Buchstaben), war vom 1.-12. Jahrhundert in den nordischen Ländern in Gebrauch, Alphabet hieß Futhark

 

Vervielfältigung und Verbreitung:

Athen durch Händler auf der Agora Buchverkauf (nachweisbar ab dem 5. Jahrhundert v.Chr.) oder durch privates Abschreiben

in Rom bilden sich erste Verlags-Unternehmen, die eine größere Menge an Abschreibern beschäftigten und an Buchhändler oder Endkunden verkaufte

freigelassene Sklaven dominierten den Buchhandel und verbreiteten ihn auch über Rom hinaus -> Entstehung eines selbständigen Buchhandels in den Provinzen seit dem 2. Jahrhundert

Autoren wurden nicht bezahlt => durch Widmung erhoffen sich diese finanzielle Unterstützung durch Mäzene (Horaz an G. Maecenas)

konstante Abnahme des Status der Schreiber von hochgeachtet und entsprechend bezahlt in Babylonien und Ägypten zu den römischen Schreibsklaven

 

Rezeption:

athenische Oberschicht hat seit dem Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. allgemeine Alphabetisierung erreicht, entstandene Schulen sind ebenfalls nachweisbar

ab dem 5. Jh. v.Chr. Lesen als Vortrag in Gesellschaft, ab dem 3. Jh. v.Chr. auch das individuelle Lesen -> beides laut, daher Gliederung auch metrisch

Vorlesen durch Sklaven in der Antike üblich

Bibliotheken:

erste bekannte Bibliothek in Babylonien/Assyrien in Ninive zur Sammlung von babylonischen Schriften durch Assurbanipal (7. Jh. v.Chr.)

erste Blüte im Hellenismus -> Gründung der Bibliotheken von Alexandria (286 v.Chr. – 47 v.Chr./391) und Pergamon, Verbindung von Bibliotheken mit Schulen, Gymnasien oder Tempeln

-> erste Bibliothekare und Systematiken (Kallimachos im 3. Jh.)

in Rom seit 2. Jahrhundert v.Chr. vor allem Privatbibliotheken, Kaiser errichten öffentliche Bibliotheken (39 v.Chr.) zu Statuszwecken, Unterteilung in griechische und lateinische Literatur, Verbreitung von Bibliotheken auch in die Provinzen

Inhalte:

Babylonier und Assyrer hinterließen vor allem wirtschaftliche und rechtliche Dokumente auf einzelnen Tafeln; wurden mehrer Tafeln benötigt, so fasste man sie in durchnumerierten Serien zusammen

weitere Inhalte waren Epen und Mythen, medizinische, astrologische und mathematische Texte

Übergang – ~4. Jahrhundert

Einführung der Codices: eingeheftete Blätter zwischen Holz- oder Wachstafeln und tw. bereits Pergament;

im 4. Jahrhundert sowohl Übergang von Papyrus zur Pergament als auch von Rollenform zu Codex => Veränderungen in Text- und Bildgestaltung, Rezeption, Einband, praktischen Umgang mit Büchern

Untergang des weströmischen Reiches führt zu Zerfall der Institutionen, gleichzeitig Aufstieg der Kirche und des Christentums als dominant für das geistige Leben während des gesamten MAs

treibende Gruppen hinter dem Übergang zum Codex waren Juristen (umfangreiche Gesetzestexte) und Christen (Abgrenzung zur Thora?)

drei Traditionsstränge: Byzanz -> besonders griechische Literatur des Hellenismus und platonische Philosophie, arabisch- islamischer Raum -> besonders Wissenschaft und aristotelische Philosophie und lateinische Kirche -> besonders lateinische Texte der Spätantike